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27. Januar 2026
Iraner*innen fordern Perspektiven statt Rückführungsstopp
Noah Pilloud
Foto: Noah Pilloud Die Massaker haben gezeigt, dass der Iran kein sicheres Land ist, sagen die Protestierenden.

Reza holt zwei Mal tief Luft, bevor er diesen Montag an der Tramendstation in Wabern seine Rede beginnt.

Seit letztem April veranstaltet der Iraner hier vor den Büros des Staatssekretariats für Migration (SEM) Kundgebungen. Monat für Monat stehen er und seine Gruppe mit dem Namen «Empathie und Einheit» mit einem kleinen Redepult, einem Mikrofon und einem Lautsprecher da und protestieren gegen die Asylpraxis des SEM.

Doch diesen Monat soll es um die Situation im Iran gehen. Um die Massenproteste und die Reaktion der iranischen Regierung. Deshalb beginnt Reza die Kundgebung mit einer Schweigeminute für all jene Iraner*innen, die während der Proteste umgebracht wurden.

«Ich frage mich, ob wirklich ein solches Massaker im Iran nötig war, damit das SEM seine Meinung ändert»
Firoozeh Miyandar Mitglied der Gruppe «Empathie und Einheit»

Später kommen die Anwesenden in ihren Redebeiträge dann doch auf ihre Situation und die Praxis des SEM zu sprechen. Ein Redner spricht von einer ständigen Situation der Unsicherheit, in der er und seine Mitstreiter*innen sich befinden.

Die Gruppe «Empathie und Einheit» fordert Schutz und Perspektiven für abgewiesene Asylsuchende aus dem Iran. Denn das SEM will sie zur Rückkehr bewegen. In seltenen Fällen führen die Behörden gar Rückführungen durch. Ein negativer Asylentscheid bedeutet: Die Geflüchteten müssten zurück in den Iran. Ein Ort, an dem sie erwarten, Verfolgung und Repression ausgesetzt zu sein. Deshalb bleiben sie. Trotz des prekären Lebens in der Nothilfe.

Vorerst keine weiteren Rückführungen

Das SEM beurteilt solche Fälle jeweils individuell. Glaubt die Behörde die Fluchtgeschichte nicht oder kommt Sie bezüglich der Gefahr bei einer Rückkehr zu einer anderen Beurteilung, verfügt sie die Wegweisung.

Die veränderte Lage im Iran hat aber auch Auswirkungen auf diese Praxis. Wie ebenfalls am Montag bekannt wurde, will das SEM gewisse Asylgesuche aus dem Iran vorerst zurückstellen.

Es handelt sich um jene Gesuche, bei denen ein negativer Entscheid oder eine Wegweisung zu erwarten ist. Derzeit könne das SEM nicht beurteilen, ob eine Wegweisung zumutbar wäre oder nicht.

Für Firoozeh Miyandar ist das ein richtiger Schritt. Auch sie engagiert sich in der Gruppe «Empathie und Einheit». Sie ist dem SEM einerseits dankbar für diesen Entscheid. «Aber ich frage mich, ob wirklich ein solches Massaker im Iran nötig war, damit das SEM seine Meinung ändert», beklagt Miyandar.

«Am Tag der Freiheit werden wir freiwillig zurückkehren!»
Redner an der Kundgebung

Ausserdem reiche ein Rückführungsstopp nicht aus. Denn die abgewiesenen Iraner*innen wollen hier ein normales Leben führen, bis sie sicher in ihr Land zurückkehren können. «Damit wir ein normales Leben führen können, brauchen wir mindestens eine Aufenthaltserlaubnis», sagt Firoozeh Miyandar.

Eine solche könnte die vorläufige Aufnahme bieten. Doch die will das SEM nicht erteilen, wie die Behörde auf Anfrage schreibt. Derzeit seien kaum verlässliche Angaben zum Iran verfügbar. Deshalb lasse sich nicht abschliessend beurteilen, ob eine Wegweisung zumutbar sei oder nicht.

Bei den Iraner*innen bleibt derweil die Hoffnung, dass die Proteste zum Sturz der Regierung führen: Das Regime, das sich über 40 Jahre unter anderem dank der Unterstützung westlicher Länder an der Macht gehalten habe, befinde sich in seinen letzten Tagen, ist einer der Redner überzeugt. Und damit werde eine Rückkehr für sie alle bald denkbar: «Am Tag der Freiheit werden wir freiwillig zurückkehren!»

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