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30. Januar 2026
Wenn Grenzen töten: Neue Grabstätten in Serbien
David Pichler
Foto: David Pichler Angehörige und Menschen aus der örtlichen Gemeinde in Loznica sowie Menschen aus den zivilgesellschaftlichen Organisationen trauern um die verstorbenen Menschen auf der Flucht.

In der serbischen Grenzstadt Losnica hat Belgrads Erzbischof Wladislav Nemet am Dienstag 28 Grabsteine und Grabstätten für verstorbene Menschen auf der Flucht eingeweiht. Die Gedenkorte auf dem orthodox-städtischen sowie auf dem islamischen Friedhof entstanden auf Initiative von SOS Balkanroute, Djeluj.ba und Leave No One Behind und wurden durch Spenden aus Österreich und Deutschland finanziert.

«Das sind Orte, wo Menschen, die in Europa Schutz suchen, versuchen Grenzen zu überqueren und dann oft daran scheitern», sagt Tilly Sünkel von Leave No One Behind. Der Ort liegt direkt an der Drina, einer besonders gefährlichen Grenzüberquerung entlang der Balkanroute. «Viele Menschen verlieren ihr Leben, weil sie versuchen, den Fluss zu überqueren.»

Oft könnten die Verstorbenen nicht identifiziert werden, Angehörige nicht erreicht werden. Tilly Sünkel erzählt von einer Familie aus Syrien, die mit ihrem Baby ertrunken ist: «Sie wollten eigentlich sich quasi mit ihrer Familie vereinen, aber da es einfach keinen legalen Weg gibt, mussten sie diesen Weg gehen und die ganze Familie ist in diesem Fluss ertrunken.»

«Das sind alles Menschen, die mit einer Vergangenheit versuchen, zu uns zu kommen, die mit einer Zukunft, mit Hoffnung, mit Plänen.»
Tilly Sünkel LeaveNoOneBehind

Es sei wichtig, den Angehörigen zuzuhören. «Das sind alles Menschen, die mit einer Vergangenheit versuchen, zu uns zu kommen, die mit einer Zukunft, mit Hoffnung, mit Plänen.» Die Opfer beim Namen zu nennen, sei zentral. So konnte auch die kleine Lana Hilal wenigstens in Würde bestattet werden.

«Im Glauben sind viele Menschen vereint», sagt Sünkel. Das schaffe einen Raum für Menschlichkeit, abseits polarisierender Debatten über Flucht und Migration. Gleichzeitig werde die Arbeit an den EU-Aussengrenzen immer schwieriger. «Die Repressionen, die Einschüchterungen, die Kriminalisierung von Helfenden und Menschen auf der Flucht wird einfach immer gravierender.»

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